Chancen Persönlichkeitsentwicklung

Warum Veränderung so schwierig ist. Oder: Woher kommt der Schweinehund?

geschrieben von Steffi

Stellen wir uns vor, du bist unzufrieden mit deinem Leben und brauchst dringend eine Veränderung. Also machst du dich ans Werk, findest heraus, was geändert werden muss und bist ganz begeistert von deinem neuen Vorhaben. Voll motiviert mit einem konkreten Plan in eine neue Zukunft. Sollte funktionieren!

Tut es aber nicht. Die Voraussetzungen stimmen, warum also klappt es nicht?

Warum Veränderung so schwierig ist

Um es kurz zu machen: Weil du ein Gewohnheitstier bist, dein Geist nicht nur bei Heroin suchtgefährdet ist, und du Opfer deines Körpers, oder genauer gesagt deiner Körperchemie bist.

Das sind Gründe, die dahinter stehen, sie sollen dir nicht als Ausrede dienen. Vielmehr sollen sie dir die richtigen Infos liefern, um zu verstehen, warum die Veränderung nicht klappen will. Nur wer das Prinzip eines Problems verstanden hat, kann auch dagegen vorgehen.

 

Schauen wir uns das mal genauer an.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel, das die meisten kennen: Jeden Abend, wenn du nach der Arbeit nach Hause kommst, verbringst du deine Zeit auf der Couch vor dem Fernseher. Das machst du seit Jahren so. Schließlich bist du erschöpft nach einem langen Tag und willst dich entspannen. Fühlt sich also gut an. Gleichzeitig verspürst du aber immer wieder ein leichtes nagendes Gefühl nach dem Motto: du solltest deine Zeit sinnvoller nutzen, du hättest auch ins Fitnessstudio gehen oder dich endlich um die Bewerbung für einen neuen Job kümmern können. Dein kleines abendliches Ritual hat sich auch an dieses schlechte Gefühl gewöhnt. Es gehört quasi genauso dazu wie die Couch, der Fernseher und das Entspannungsgefühl.

Du bist, wie gesagt, ein Gewohnheitstier, dein Gehirn steht auf Routinen und verankert diese in deinem Unterbewusstsein als unumgängliche Lebensrealität, als dein Leben, so wie es eben ist.

In unserem Körper sind ständig irgendwelche Hormone, Drüsen- oder Botenstoffe am Werk, die auf alles reagieren, was du machst. Sobald du dich abends auf die Couch geschmissen hast, durchströmt dich dein Körper mit Glücksgefühlen. Es laufen chemische Reaktionen ab, die deinem Gehirn erzählen: „alles super hier unten, weiter so!“. Die Rezeptoren im Gehirn, warten nach Jahren deines Couch-Rituals schon darauf, dass diese Nachricht andockt. Nicht nur die Rezeptoren, die sich über dein Glücksgefühl freuen. Auch die Rezeptoren, die auf dein Schuldgefühl warten.

In diesem Beispiel hängen ein gutes und ein schlechtes Gefühl gleichermaßen an einer Gewohnheit. Das gleiche Prinzip läuft aber auch bei Gewohnheiten ab, die ausschließlich mit schlechten Gefühlen in Verbindung stehen. Wir wundern uns manchmal, wie Menschen in einer Beziehung festhängen können, die ihnen augenscheinlich nur Leid und Kummer einbringt und fragen uns, warum die Person das erduldet. Jetzt wissen wir es: das Gehirn hat sich an die permanente Versorgung mit diesem Gefühl gewöhnt. Und es dauert eine ganze Weile, bis der Leidensdruck wirklich so hoch ist, dass sie etwas ändern wollen. Durch die Gewöhnung an das Leidensgefühl kann das sehr, sehr lange (bis hin zu niemals) dauern.

Routinen und Gewohnheiten sind eigentlich etwas Gutes, wenn wir sie aus der Perspektive des Aufbaus des menschlichen Organismus betrachten. (Und auch, wenn es die richtigen Routinen sind!) Je weniger unser Gehirn damit beschäftigt ist, sich um den Ablauf von Alltäglichkeiten zu kümmern, umso weniger Energie und Kapazität muss es aufwenden. Und kann in speziellen (gefährlichen, entscheidungsintensiven, …) Situationen diese Kapazitäten sinnvoll nutzen.

Würdest du bei jeder Kleinigkeit (aufstehen, duschen, Auto fahren, über die Straße gehen) neu ausloten, was zu tun ist, könntest du dich nicht mehr auf die wesentlichen Dinge des Lebens konzentrieren (Mammut jagen, vor Säbelzahntiger weglaufen, Socialising am Lagerfeuer).

 

Veränderung ist wie Entzug

Das Prinzip, das hinter ausgeschütteten Stoffen steht, die in deinem Gehirn andocken, um dafür zu sorgen, dass du weiter brav deinen Gewohnheiten nachgehst, ist das gleiche, das hinter einer Sucht steht. Wenn du Drogen nimmst, werden auch Rezeptoren aktiviert, die jubeln und Freudesprünge machen, wenn die Wirkung der Droge einsetzt.

Je nach Droge und deren Intensität dauert es zwischen ein bis zwei Einnahmen und einigen Wochen bis du süchtig bist. Bis dein Körper/dein Gehirn nach mehr von diesem Gefühl verlangt. Und Alarm schlägt, wenn kein Nachschub kommt.

 

Wenn du nun anfängst einen Entzug zu machen, sprich neue Gewohnheiten zu etablieren, verwirrst du zunächst dein Gehirn.

 

Veränderung GehirnDer Pegel „Entspannen auf der Couch“ im Körper sinkt, der Pegel mit den leichten Schuldgefühlen, an die du dich ebenso wie an das Entspannungsgefühl gewöhnt hast, sinkt ebenfalls, schließlich denkst und handelst du nun anders. Das checkt natürlich dein Gehirn und sendet eine Nachricht an den Körper: „Hier fehlt etwas, bring mir wieder mehr davon!“ Dein Gehirn will also, dass du zu deiner gewohnten Handlung zurückkehrst. Weil es das so kennt und weiterhin so haben will. Es hat erkannt, dass irgendetwas nicht „normal“ läuft.

 

Dein Gehirn und die chemischen Vorgänge in deinem Körper sind keine bösen Instanzen. Sie sind dafür gemacht auf dich aufzupassen und kommen nur ihrer Verantwortung nach. Konnte ja niemand davon ausgehen, dass du plötzlich auf die abstruse Idee kommst, deine Gewohnheiten ändern zu wollen.

 

Der Schweinehund

Und wie zeigt sich diese Verwirrung deines Gehirns? Es flüstert dir Dinge ein wie: „och, heute war doch wirklich ein besonders anstrengender Tag, da ist die Couch auch ok.“ oder „Sport nach der Arbeit ist viel zu anstrengend, du hast es dir verdient, dich auszuruhen.“ oder „Morgen ist auch noch ein Tag.“ Es versucht eben mit allen Mitteln seine gewohnte „Stoffdosis“ zu bekommen. Das ist die Stimme des allseits bekannten Schweinehunds!

Dieses Muster läuft übrigens nicht nur bei Handlungen sondern auch bei Gedanken so ab. Ebenso wie an die Couch, gewöhnst du dich auch an Gedanken wie: „ich bin ein Versager“, „ich kann das eh nicht“, “ich war halt schon immer blöd, faul…“, „ich bin halt wie meine Eltern“ oder „meine Eltern haben alles falsch gemacht, deswegen häng ich hier jetzt fest und kann auch nix machen.“.

Diese Gedanken werden tief in deinem Unterbewusstsein abgespeichert. Da ranzukommen ist schwer. Viel schwerer als an Gedanken deines Bewusstseins. Wenn ich dir erzähle, dass die Hauptstadt von Australien Canberra ist und du immer dachtest es sei Sydney, kannst du diese Information recht leicht als neue Wahrheit annehmen, da sie nur in deinem Bewusstsein, nicht aber im viel schwerer zugänglichen Unterbewusstsein gespeichert war.

Anders bei Verhaltens- oder Denkmustern: Wenn du anfängst dir ein neues Mindset zulegen zu wollen, kommt dein Körper nicht mit der Diskrepanz zwischen alten und neuen Gedanken klar. Die neuen Gedanken sind noch nicht in den Tiefen angelangt. Im Bewusstsein findest du deine neue Einstellung zum Leben toll, das Unterbewusstsein ist aber noch ganz anderer Meinung.

 

Zusammengefasst: Es sieht schlecht aus für deine Veränderung.

 

  • Die Rezeptoren in deinem Gehirn warten auf die Nachricht, dass alles wie gehabt läuft und fordern von deinen bewussten Gedanken und Handlungen, dass sie alles dafür tun, um diesen Zustand aufrecht zu erhalten. Wie bei einer Drogensucht.

 

  • Deine gewohnten Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster sind sehr fest in deinem Unterbewusstsein abgespeichert. Es ist schwer da ranzukommen um neue Muster auszubilden. Dein Gehirn rebelliert, wenn dein Bewusstsein gegen die Maximen deines Unterbewusstseins angeht.

 

Ich hoffe ich habe dir nun jegliche Hoffnung auf eine Veränderung deines Lebens oder deiner Person nehmen können und dir eine sinnvolle Ausrede mit auf den Weg gegeben, um nie wieder den Druck zu verspüren, irgendetwas ändern zu müssen.

SPAß!

Ich hoffe natürlich genau das Gegenteil! Dass du gemerkt hast, wie wichtig es ist, die Prinzipien zu verstehen, die in unserem Leben im Hintergrund ablaufen.

Nur wer verstanden hat kann gegensteuern.

Bei einem Veränderungsprozess geht es also nicht nur darum, Gedanken und Handlungen an sich zu ändern, sondern besonders am Anfang ein großes Augenmerk darauf zu legen, welche Dinge dir dein Gehirn aufgrund deines bisherigen Verhaltens versucht einzureden; und standhaft dagegenzuhalten.

 

Was kannst du tun, um deinen Veränderungsprozess durchzustehen?

 

Bewusst werden

Durch diesen Artikel bist du dir soeben bewusst geworden, was in deinem Kopf abläuft, wenn du versuchst etwas zu ändern. Übermorgen hast du es wahrscheinlich schon wieder vergessen. Suche dir eine Möglichkeit (Zettel am Spiegel, Erinnerungs-App,…) um dir immer wieder dieser Mechanismen deines Gehirns bewusst zu werden und gegenzusteuern.

 

Einhalt gebieten

Sollte mal wieder die leise Stimme deines Gehirns (der sogenannte Schweinehund) zu dir flüstern, ruf laut (oder zumindest laut in deinem Kopf) „STOP!!“ oder „NEIN!“. Damit zerschlägst du den Gedanken und kannst dich wieder auf dein neues Denken konzentrieren.

 

Gib deinem Gehirn Zeit, neue Gedanken und Handlungen zu etablieren

Es dauert eben bis dein Gehirn sich an deine neuen Gewohnheiten gewöhnt hat, neue Rezeptoren etabliert hat, und sie auch in deinem Unterbewusstsein angelangt sind. Akzeptiere es und gib dir selbst Zeit, diesen Prozess mitzumachen, auch wenn es etwas länger dauert.

 

Meditation/Hypnose

Der schnellste und einfachste Weg um neue Gedanken und Handlungsmuster in deinem Unterbewusstsein zu verankern ist die Hypnose. Ich finde es durchaus eine Überlegung wert, einen wirklich guten Hypnotiseur aufzusuchen. Bitte gut recherchieren, nicht zum nächstbesten Scharlatan laufen.

Es ist allerdings übertrieben, für jeden Punkt, den du ändern möchtest (und es ist ja meistens nicht nur eine einzige Sache) zur Hypnose zu gehen. Ich weiß auch nicht, ob es da nicht generell Grenzen gibt.

Was jedoch ähnlich wie eine Hypnose wirkt ist die Meditation. Wenn du sie beherrschst, ist sie ein wunderbares Mittel, um dauerhaft Zugang zu deinem Unterbewusstsein zu bekommen und dort neuen Gewohnheiten einen festen Platz zu geben. Wer der Meditation noch kritisch gegenübersteht oder es für spirituellen Quatsch hält, dem empfehle ich das Buch “Meditation für Skeptiker – Ein Neurowissenschaftler erklärt den Weg zum Selbst”.

 

Bleib aufmerksam und nutze deine Chancen!

Deine Steffi

PS: Brauchst du Hilfe bei deinem Veränderungsprozess? Dann empfehle ich dir meinen eBook-Kurs!

PPS: Wann kämpfst du besonders gegen deinen Schweinehund? Lass es uns in den Kommentaren wissen und uns gegenseitig helfen und inspirieren.

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Wer steht hinter Welt der Chancen?

Steffi

Hi, ich bin Steffi, 33, Zukunftsoptimist und sehe, dass sich unsere Welt verändert.
Mit offenen Augen und offenem Geist pick ich mir das Beste für mich raus.
Damit du das auch kannst, schreib ich hier über:
Lebensqualität, Persönlichkeit, Individualisierung, neue Lebensmodelle, neue Werte, Digitalisierung, Arbeit 4.0, …
Da ich seit über acht Jahren als Coach im Bereich Persönlichkeitsentwicklung und Karriere arbeite, habe ich außerdem das ein oder andere Tool parat, um dir den Weg etwas leichter zu machen.

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2 Kommentare

  • Liebe Steffi,

    dein Artikel bietet einen echten Mehrwert und zeigt die Stolpersteine und Probleme des Wandels sehr gut auf. Nur allzu häufig bin ich genau mit diesen Gedankengängen bei meinen Kunden konfrontiert und versuche ihnen zu zeigen, dass das alles so schlimm gar nicht ist.

    Liebe Grüße aus FFM

    Alexander

    • Danke für dein Feedback, Alexander! Den Switch zu “dass das alles so schlimm gar nicht ist” muss man hinbekommen, das hast du gut auf den Punkt gebracht! Freut mich, wenn ich helfen konnte! Lg, Steffi