Chancen Persönlichkeitsentwicklung

Warum die Schuld vielleicht bei anderen liegt, die Verantwortung aber immer bei dir

Schuld Verantwortung
geschrieben von Steffi

Von weisen Müttern, Regenjacken und Superman

Damals zu Kinderzeiten war das Leben schon komplizierter als du vermutest.

Wenn ich mit meinem Bruder gestritten habe oder wir raufend durchs Wohnzimmer gepurzelt sind, kam irgendwann der Moment, in dem meine Mutter mit einem Machtwort eingeschritten ist.

Das Machtwort hat sich nie an nur einen sondern immer an beide gerichtet.

Was auch richtig so war, liebe Mama 🙂

Unweigerlich kam dann von einem von uns beiden die Aussage: „Aber der/die hat doch angefangen!“. Worauf meine Mutter in ihrer mütterlichen Weisheit entgegnet hat: „Und dann beende du es!“

Was hat mich dieser Satz damals aufgeregt!! Aaaaargh! Weil ich doch ganz genau wusste, dass mein Bruder wirklich angefangen hatte! Wieso sollte ich es dann beenden?

Was ich bezwecken wollte, weiß ich gar nicht mehr genau. Vielleicht, dass er bestraft wird oder auf den Knien angekrochen kommen sollte, seine Fehler einsehen, Besserung geloben und auf ewig Reue zeigen. Oder so ähnlich.

Auf jeden Fall hat es meistens damit geendet, dass wir schmollend abmarschiert sind und am nächsten Tag alles wieder gut war.

Vielleicht war das Leben zu Kinderzeiten doch nicht ganz so kompliziert.

Und die Moral von der Geschicht?

Wenn irgendetwas im Leben schief läuft, wir ein Problem haben oder mit einer Situation nicht zurechtkommen suchen wir einen Schuldigen.

♦ Das Wetter ist schuld daran, dass du nicht joggen gehst.

♦ Der Chef ist ein Arsch, deswegen gefällt dir deine Arbeit nicht.

♦ Der Arbeitsmarkt ist so schlecht, dass du es nicht wagen kannst, etwas Neues anzufangen.

♦ Deine Kinder sind schuld, dass du keine Zeit mehr für deine Hobbies hast.

 

Was bringt dir das?

Im besten Fall ein gutes Gewissen und eine Runde im Selbstmitleid suhlen. Du bist nicht schuld an deiner Situation, dann kann dir keiner, auch nicht du selbst, vorwerfen, dass du es besser oder anders machen könntest.

An dieser Stelle solltest du dir ganz genau überlegen, ob du weiterlesen möchtest. Es könnte passieren, dass das wohlige Gefühl der Unmündigkeit verschwindet und du dich plötzlich selbst in der Verantwortung siehst.

Noch hier? Alles klar, dann geht’s los!

Wir fangen an mit der philosophischen Betrachtung. Du weißt ja, dass ich es mag, mir zuerst die Hintergründe klar zu machen.

Es gibt eine philosophische Richtung, die sich Konstruktivismus nennt. Im Konstruktivismus geht man davon aus, dass es keine objektive Welt gibt, also quasi keine endgültig richtige oder wahre Betrachtung der Welt.

In der Neuropsychologie geht man übrigens auch davon aus.

Warum?
Weil jeder Mensch sich die Welt auf Grund seiner eigenen Erfahrungen „konstruiert“. Die Art, wie jeder Mensch Situationen, Unterhaltungen, Ereignisse etc. wahrnimmt, unterscheidet sich immer von der Wahrnehmung anderer Menschen. Weil wir unsere Erfahrungen, Gefühle, Ansichten aus unserer ganz persönlichen Vergangenheit einfließen lassen. Und daraus interpretiert unser Gehirn unser eigenes Weltbild.

 

Was bedeutet das für die Schuldfrage?

Schuld

Auch wenn ich mir absolut sicher bin, dass mein Bruder den Streit angefangen hat (=meine Wahrnehmung) darf ich (als Vertreter des Konstruktivismus und Amateur-Neuropsychologe) die Wahrnehmung meines Bruders nicht außen vor lassen.

Vielleicht hab ich unbewusst etwas gesagt, das ihn gereizt hat oder ungerecht war.
Und in seiner Wahrnehmung hab damit ich den Streit angefangen.

Und wer hat nun Recht? Darum geht’s nicht.

Das zu klären ist dritt- bis fünftrangig. Oder überflüssig. Oder gar nicht möglich.

Zwei Wahrnehmungen, zwei Möglichkeiten die Situation einzuschätzen.

Aus deiner Sicht kann zwar jemand anderes an deiner Situation schuld sein, das muss aber erstens nicht die absolute und endgültige Wahrheit sein und zweitens bringt es keine Lösung mit sich.

Der Konstruktivismus greift nicht nur bei einem Streit. Auch wenns ums Joggen geht. Wenn es draußen kalt ist und regnet ist das für dich ein Grund (ohne schlechtes Gewissen) nicht zu gehen. Vielleicht wurdest du so erzogen, dass man bei schlechtem Wetter möglichst nicht vor die Tür geht.
Deine Wahrnehmung der Situation.

Jemand anderes wird sich sagen: „Hey, ich hab ne coole Regenjacke und nass werd ich beim Duschen nach dem Joggen sowieso, also auf geht’s!“

Und wer hat hier Recht? Genau: darum geht’s nicht!

Zwei Wahrnehmungen, zwei Möglichkeiten die Situation einzuschätzen.

 

Wenns nicht darum geht, wer schuld ist, worum geht’s dann?

Der Unterschied liegt nicht darin, dass die eine Wahrnehmung richtiger ist als die andere.

Verantwortung

Der Unterschied liegt darin, dass du die Verantwortung für dein Tun ans Wetter abtrittst und der Regenjackenbesitzer sie selbst übernimmt. Er geht seine Möglichkeiten durch und handelt selbstbestimmt.
Auch wenn du, Konstruktivismus hin oder her, einen Schuldigen gefunden hast, darfst du dich diesem nicht ausliefern. Das ist der Knackpunkt an der Sache:

Wichtig ist jetzt nur, wie es weitergeht.

Das einzige, was dir der Schuldige bringt, ist dass du dich auf der Erkenntnis ausruhst oder dich ihr unterordnest.
Egal, wer Schuld hat oder wie wenig du für eine Situation kannst, es liegt immer und ausschließlich in deiner Verantwortung etwas daran zu ändern!

Du darfst dem Wetter nicht die Verantwortung für dein Leben übertragen! Ebenso wenig wie deinem Chef, den Umständen oder der Gesellschaft!

Beim Streit mit meinem Bruder wäre es solange weitergegangen, bis einer von uns keine Haare mehr auf dem Kopf gehabt hätte. Klar verstand ich als Fünfjährige nicht, warum ich etwas beenden soll, was jemand anderes (meiner Meinung nach) verursacht hat.
Aber von einem intelligenten, reflektierten Erwachsenen kann ich erwarten, dass er diese Selbstverantwortung übernimmt.

Verantwortung
Es wird kein Superman, Weihnachtsmann oder Ritter auf dem weißen Ross ankommen und dich retten. Sorry, wenn ich jetzt irgendjemandes Illusionen zerstöre, aber das wird nicht passieren!

 

 

Du musst dein eigener Superman werden!

Weißt du, warum wir diese Verantwortung nicht übernehmen?

Weil wir einfach verdammt bequem sind. Zu bequem, um unsere Gedanken mal in eine andere Richtung zu lenken und zu bequem, um etwas zu ändern.

Es ist leicht, sich dem großen, bösen Schicksal zu unterwerfen.
Es bedarf an Mut sich ihm entgegenzustellen!

Es ist leichter zu jammern als sich Gedanken zu machen.
Es fühlt sich im Selbstmitleid besser an als in der Rolle des Verantwortlichen.
Es ist leichter sich sein Leben lang im Kindergartenmodus aufzuhalten anstatt sich weiterzuentwickeln.

Wenn du die Schuld auf deinen Chef, die widrigen Umstände oder das Schicksal abwälzt, musst du auch keine Verantwortung für ein eventuelles Scheitern übernehmen. Diese Verantwortung hast du ja bereits ganz bequem abgetreten.

Und wenn du eines Tages auf dem Sterbebett liegst wirst du dir sagen: „Hätten doch nur die Umstände gepasst, dann wäre so einiges schöner gewesen.“ Und du kannst beruhigt loslassen. Schließlich hattest du ja nie einen Einfluss auf die Umstände. Oder?

Was lernen wir daraus?

Sobald du dich auf einen Schuldigen konzentrierst hörst du auf die Verantwortung für dein eigenes Leben zu übernehmen. Das ist schlecht. So wird sich nämlich nie etwas an deiner Situation ändern.

 

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3 Tipps um deine Verantwortung zu erkennen und wahrzunehmen:

1. Wo liegt das Problem/die Schuld? – Bei dir oder bei anderen?

Oberflächlich gesehen findest du für jedes Problem und jeden ungemütlichen Umstand einen Schuldigen. Der Chef, der dir nur blöde Aufgaben gibt, der Arbeitsmarkt, der dir einredet, du sollst froh sein einen Job zu haben auch wenn dieser unerträglich ist, der Stress, der nun mal mit der Verantwortung für Kinder einhergeht.
Und in diesem Glauben kannst du nun weiter dein trauriges, stressiges, aufzehrendes, vor Unzufriedenheit strotzendes Leben weiterführen.
Die Schuld kann durchaus bei anderen liegen aber die Verantwortung daran etwas zu ändern liegt ausschließlich bei dir!

2. Kannst du selbst etwas ändern oder glaubst du, du seist dem Problem machtlos ausgeliefert?

Egal ob du die Schuld bei dir oder jemand anderem gefunden hast, musst du die Verantwortung für die Lösung übernehmen.
Sobald du dich nur als armes Opfer siehst, wirst du auch weiterhin in dieser Rolle bleiben. Das nennt sich übrigens Erlernte Hilflosigkeit und überträgt sich schnell auch auf andere Bereiche in deinem Leben.

Lass dich von nichts und niemandem zum Opfer machen. Vor allem nicht von deinen Glaubenssätzen. Die sind dabei nämlich am erfolgreichsten.

Glaubenssätze beinhalten erlernte und anerzogene Ideen sowie dauerhaft erduldete Missstände, die für dich zur unumstößlichen Normalität geworden sind.
Glaubenssätze bestehen aus der Realität, die du dir konstruiert hast.
Die Ideen und Gewohnheiten haben sich so in deinem Gehirn verfestigt, dass du nie über ihren Sinn nachdenkst. Und noch schlimmer, dass du nicht mal auf die Idee kommst, dass du drüber nachdenken könntest.

3. Siehst du das Problem zu pauschal oder differenziert genug?

Probleme zu verallgemeinern oder zu pauschalisieren ist bequem und deswegen oft der erste Blickwinkel, den wir wählen.

♦ Frauen haben es nun mal schwerer Karriere zu machen.
♦ Wer geht schon gerne arbeiten?
♦ Is doch eh alles scheiße!

Außerdem blicken hier wieder die Glaubenssätze durch.

Und was bringen dir diese Aussagen? Gar nichts.

Wie wärs mal mit einer differenzierteren Perspektive?

♦ Frauen/Karriere: was genau hindert dich im Moment daran Karriere zu machen/steht dir im Weg? Erstens, zweitens, drittens.

♦ Gerne arbeiten: nur weil die anderen keinen Spaß an der Arbeit haben, muss das ja nicht für dich gelten. Was würde dir denn Spaß machen? Erstens, zweitens, drittens.

♦ Alles scheiße: Was genau läuft bei dir gerade nicht rund? Erstens, zweitens, drittens. Was davon stört dich am meisten? Was wirst du als erstes angehen? Und wie? Erstens, zweitens, drittens.

 

So schlägst du dem Schuldigen und den Glaubenssätzen ein Schnippchen und übernimmst die Verantwortung für dein Leben.

Und vor allem: so wird sich endlich etwas ändern!
Du kannst ein bisschen Hilfe dabei brauchen, diese Glaubenssätze zu erkennen? Ein ganzes Kapitel meines eBook-Kurses ist genau diesem Thema gewidmet. Schau es dir mal an!

 

Fazit:

Als Fazit gibt’s heute ein Zitat von Paul Watzlawick, überzeugter Konstruktivist, Philosoph und Psychotherapeut. Du weißt schon, der, der auch gesagt hat: “man kann nicht nicht kommunizieren.“

Aus der Idee des Konstruktivismus ergeben sich zwei Konsequenzen. Erstens die Toleranz für die Wirklichkeit anderer – denn dann haben die Wirklichkeiten anderer genau so viel Berechtigung wie meine eigene. Zweitens ein Gefühl der absoluten Verantwortlichkeit. Denn wenn ich glaube, dass ich meine eigene Wirklichkeit herstelle, bin ich für diese Wirklichkeit verantwortlich, kann ich sie nicht jemand anderem in die Schuhe schieben.

Paul Watzlawick (1921-2007)

 

Also:
Achte in Zukunft drauf, wann du dich mal wieder hinter einer Schuldzuweisung versteckst.
Und dann mach dir klar: egal, wer schuld ist, es liegt einzig in deiner Verantwortung etwas daran zu ändern.

Denk über jede Ausrede nach, die dir vielleicht gar nicht als solche auffällt, und überleg weiter, was du dagegen tun kannst.
Wenn du keine Lösung findest, hängt noch irgendwo ein gewiefter Glaubenssatz in deinen Gedanken, den du überwinden musst.
Oft hilft es, dir die Perspektive anderer Menschen aufzeigen zu lassen, um deinen eigenen Blickwinkel zu überdenken.

Bleib achtsam und nutze deine Chancen!
Deine Steffi

 

Wenn du auch eine Situation zum Thema Schuld/Verantwortung beitragen möchtest, schreib es hier in die Kommentare!

Freu mich über coole Vorschläge! 🙂

 

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Wer steht hinter Welt der Chancen?

Steffi

Hi, ich bin Steffi, 33, Zukunftsoptimist und sehe, dass sich unsere Welt verändert.
Mit offenen Augen und offenem Geist pick ich mir das Beste für mich raus.
Damit du das auch kannst, schreib ich hier über:
Lebensqualität, Persönlichkeit, Individualisierung, neue Lebensmodelle, neue Werte, Digitalisierung, Arbeit 4.0, …
Da ich seit über acht Jahren als Coach im Bereich Persönlichkeitsentwicklung und Karriere arbeite, habe ich außerdem das ein oder andere Tool parat, um dir den Weg etwas leichter zu machen.

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7 Kommentare

  • Hi Steffi,

    da hast du das mit der Eigenverantwortung ja wirklich von allen Seiten beleuchtet. Das war auch etwas, das ich erst einmal lernen musste. Zwar bin ich nicht immer schuld an allem (was kann ich schon für den Regen ;)) aber egal worum es geht, ich muss die Verantwortung für das weitere Vorgehen übernehmen. Verantwortung heißt aber nicht nur eine schwere Last die man tragen muss sondern eben auch ein riesiges Maß an Freiheit. Und wenn man erst einmal gelernt hat die Möglichkeiten zu entdecken, wie man auf die eigene Umwelt Einfluss nehmen kann, dann hat sich das alles gelohnt und man möchte nicht mehr zurück. Toll, dass du einen so aufrüttelnden Artikel darüber geschrieben hast. Mach weiter so :).

    Alles Liebe
    Tina

    • Vielen Dank, liebe Tina! 🙂
      Das ist auch ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Und dass man nicht schuld dran ist, dass es z.B. regnet, gehört zu den Punkten, die ich mir auch erst mal klar machen musste.

      Lg
      Steffi

  • Hallo Steffi,

    ich habe Schuld auch komplett bei mir aus dem Vokabular gestrichen!
    Für mich ist Schuld auch einfach nur etwas, um sich vor der Verantwortung zu drücken.
    Es gibt auch einen direkten Zusammenhang zwischen Erfolg und Schuld. Je weniger Schuldzuweisungen das Leben dirigieren, desto erfolgreicher kann man werden.
    Denn nur durch mutige Entscheidungen und durch Übernahme von Verantwortung von seinem ganzen Leben (Gesetz der Anziehung), kann man wirklich erfolgreich werden.
    Dir ein schönes Wochenende!
    LG
    Sven
    my-lifedesign.de

    • Freut mich, dass wir uns da einig sind, Sven 🙂
      Wenn man endlich verstanden hat, dass man ganz alleine für sein Leben verantwortlich ist, läufts auf einmal in die richtige Richtung!

      Lg
      Steffi

  • Liebe Steffi,

    toll!! Nach der Variante mit dem Ritter auf dem weißen Ross finde ich Verantwortung übernehmen die beste Lösung! 🙂
    Sobald wir die Dinge selbst in der Hand haben, gibt es doch keinen Grund mehr, blöde Situationen zu akzeptieren und wir können es rocken lassen, oder?

    Liebe Grüße,
    Martje