Chancen Persönlichkeitsentwicklung

Wie ein gesunder Egoismus zu einer Win-Win-Situation führt – 6 Tipps für einen besseren Umgang miteinander

geschrieben von Steffi

Egoismus und Win-Win-Situation – wie passt das zusammen?

Geschichten aus Deutschlands Wohnzimmern:

Papa: „Na, Tom, was hast du heute Nachmittag schönes gemacht?“
Tom (8): „Ich und Kevin waren kicken!!“
Papa: „Das heißt ‚Kevin und ich‘. Der Esel nennt sich immer zuerst.“

Erste Annahme: Es ist unhöflich sich selbst vorzuziehen. Höflichkeit fördert ein gutes Miteinander.
Zweite Annahme: Es ist so verschmäht, zuerst an sich selbst zu denken, dass jedem Kind eingebläut wird, es bloß nicht zu tun.

Die Gäste haben sich am Tisch versammelt. Das Essen ist aufgetischt und duftet mehr als hervorragend. Nun geht es um die Verteilung. Wer ein bisschen was von Etikette versteht, weiß, dass der Gastgeber zuerst seine Gäste versorgt und am Schluss sich selbst.

Erste Annahme: Es ist unhöflich sich selbst vorzuziehen. Höflichkeit fördert ein gutes Miteinander.
Zweite Annahme: Alles, was wir zur Förderungen des guten Miteinanders tun, kommt aus einer Motivation, die uns selbst zu Gute kommt. Denn wenn das gute Miteinander besteht, können wir uns wohl und sicher fühlen.

Merkst du schon worauf ich hinaus will? Na gut, einer noch:

Hast du dir im Flugzeug schon mal dieses Sicherheitsvideo angeschaut? Das ist das Video, das deinen Film unterbricht, den du grade gestartet hast während ihr noch in der Parkposition steht.

Darin wird erklärt, dass du dir „im unwahrscheinlichen Fall eines Druckverlustes“ die Atemmaske zuerst aufsetzen sollst, bevor du anderen hilfst. Als mir zum ersten Mal bewusst wurde, was sie da sagen ist mir sofort der Gedanke gekommen: „Krass, im Ernstfall ist sich halt doch jeder selbst der Nächste. Aber dass man das gleich so kommunizieren muss?“ In der zweiten Sekunde habe ich Fuchs natürlich verstanden, was der Sinn dahinter ist. Wenn ich mich aufopferungsvoll darum kümmere, dass Kinder, Ältere oder weniger intelligente Menschen alle brav und korrekt ihre Maske aufgesetzt haben, sterbe ich auf halber Strecke meiner Mission an einer Embolie, der Dekompressionskrankheit oder Sauerstoffmangel im Gehirn. (Wissen für Klugscheißer: Je nach Flughöhe und Geschwindigkeit des Druckabfalls hat man zum Teil nur 10-30 Sekunden, in denen man noch handlungsfähig ist.)

Wenn ich bewusstlos bis tot über meiner Armlehne hänge hat also niemand etwas davon. Ich am wenigsten, aber ich will ja nicht egoistisch erscheinen.

Erste Annahme: Es ist unhöflich sich selbst vorzuziehen. Höflichkeit fördert ein gutes Miteinander. Der Gedanke steckt ganz tief in uns drin und verleiht dem Egoismus ein schlechtes Image.
Zweite Annahme: Scheinbar gibt es Ausnahmen!

Genau wie die Atemmaske im Flugzeug gibt es auch in unserem Leben Situationen und Verhaltensweisen bei denen wir überlegen sollten, wen wir an erste Stelle setzen.

 

Schauen wir uns mal die Hintergründe an:

egoismus gemeinschaftIm Zuge der Zivilisation der Menschheit haben sich Verhaltensweisen entwickelt, die die Grundlage des zwischenmenschlichen Zusammenlebens sind. Nur wenn wir Rücksicht auf unsere Mitmenschen nehmen, können wir in einer Gemeinschaft friedlich zusammenleben. Daraus haben sich Traditionen und Etiketten entwickelt, die in der westlichen Welt allgegenwärtig sind. Sie sind zum Teil so tief in unserem Denken verwurzelt, dass wir ganz selbstverständlich danach leben.

Das ist gut so!

Aber wie so oft gilt auch hier:
Wir Menschen neigen dazu, alles Mögliche unreflektiert nachzumachen, blökend dem dicksten Schaf hinterherzulaufen, einfach weil alle anderen auch diesem Schaf hinterherlaufen.

Wir neigen dazu, bestehende Normen als absolute und ewiggeltende Naturgesetze anzusehen.

Eingefahrene Verhaltensweisen, und wenn sie einen noch so sinnvollen Hintergrund haben, sollten ab und zu einem Frühjahrsputz ausgesetzt werden. Ein bisschen entstauben hier, ein bisschen an unser modernes Lebensmodell anpassen dort, und plötzlich glitzert die ein oder andere Erkenntnis aus den Untiefen der Staubschichten.

Fangen wir mal an zu putzen und schauen uns das mit dem Egoismus genauer an!

Vereinfacht gesagt sieht es also so aus:
Zivilisation wichtig -> Rücksichtnahme gut -> Egoismus böse

Und hier ist auch schon der erste Knackpunkt: es ist zu einfach. In unserem Denken gehen wir davon aus, dass Egoismus das Gegenteil von Rücksichtnahme ist.
Kann sein, muss aber nicht. Jede Tugend und jedes Talent kann auch ins Negative abdriften.

Zu viel Egoismus ist genau so schlecht wie zu viel Rücksichtnahme.

Aber egoistisch zu denken, in erwähntem Maß, schließt nicht aus, auf seine Mitmenschen Rücksicht zu nehmen. Ganz im Gegenteil, es kann ein tolles Miteinander fördern. Dazu weiter unten noch mehr.

 

Die Selbstsucht besteht nicht darin, dass man lebt, wie man will, sondern dass man von anderen verlangt, sie sollen leben, wie man will.

Oscar Wilde (1854 – 1900)

 

Der zweite Knackpunkt ist die Annahme, dass Egoismus negativ motiviert sei und Rücksichtnahme, oder Altruismus, positiv.

Hast du dir schon mal überlegt, warum Menschen altruistisch handeln?
Entweder weil sie ein zu schwaches Selbstverständnis haben, also glauben sie müssten es anderen recht machen oder um einem schlechten Gewissen aus dem Weg zu gehen.

Oder weil sie ein gutes Gefühl daraus ziehen.

Moment! Ist das nicht egoistisch? Wenn ich etwas tue, das daraus motiviert ist, dass ICH mich gut fühle?

Jaja, schwarz und weiß und so, ne?

 

Egoismus vs. Altruismus – ein Gegensatz?

Die Psychologie und moderne Neurologie gehen davon aus, dass es keine reine altruistische Handlung gibt. Alles, was wir tun, basiert darauf, uns selbst in irgendeiner Weise ein gutes Gefühl zu verschaffen.

Jetzt mag von dem einen oder anderen von euch der große Aufschrei kommen: „Aber ich hab doch letzt, so ganz uneigennützig…“.

Wenn du ehrlich zu dir selbst bist und mal ganz genau überlegst, was dich dazu gebracht hat, wirst du es erkennen. – Ehrlich sein, hab ich gesagt!

egoismus freundeSogar die selbstlose Mutter Theresa kann des Egoismus bezichtigt werden. Wenn es auf den ersten Blick scheint als würde sie ihre guten Taten nur der anderen Menschen wegen vollbringen, hilft ein zweiter Blick. Sicher ging es ihr nicht um öffentliche Anerkennung oder „Liebe erkaufen“. Aber das gute Gefühl, das sie aus ihrem Handeln gezogen hat, war ihr Antrieb. Ein starker Antrieb. Ein guter Antrieb. Wahrscheinlich ein unbewusster Antrieb.

Leider ist uns das zu wenig bewusst oder wir haben einfach noch nie darüber nachgedacht. So erklärt sich das schlechte Image des Egoismus:

Nachdem alle schlimmen Taten der Weltgeschichte auf böswilligem, egoistischem Denken beruhen, steht fest: Egoismus ist schlecht!

Nachdem alle guten Taten der Weltgeschichte auf gutwilligem, egoistischem Denken beruhen, steht leider nicht fest: Egoismus ist auch gut!

Ein Sozialegoist ist ein Mensch,
der erkannt hat, dass es ihm nur
gut geht, wenn es auch seinem Umfeld
gut geht: Er hilft aus Egoismus.

Alfred Selacher (*1945), Schweizer Lebenskünstler

 

Erste Feststellungen des Tages:

  • Egoismus ist nicht das Gegenteil von Altruismus.
  • Auch Altruismus ist nur ein verkappter Egoismus.
  • Egoismus ist nur im Übermaß schlecht.
  • Unser schlechtes Denken über den Egoismus liegt in unseren zivilisatorischen Wurzeln.
  • Auch Schafe sollten zum Frühjahrsputz.

 

Und wie ist es um deinen Egoismus bestellt?

Wie auch immer du den Begriff Egoismus definierst oder welche Gefühle du damit assoziierst, es geht mir nur darum, dass du dir mal Gedanken darüber machst, in welchen Situationen du dich zu sehr zurücknimmst und die Bedürfnisse anderer über deine eigenen stellst.

Du solltest dringend an deinem Egoismus arbeiten, wenn auch nur einer dieser Punkte auf dich zutrifft:

  • Du machst, was andere erwarten
  • Du tust ständig Dinge anderen zu liebe
  • Du hast ein schlechtes Gewissen, wenn du mehr Zeit für dich selbst einforderst
  • Du tust generell viele Dinge, bei denen du ein schlechtes Gewissen hättest, wenn du sie nicht tun würdest
  • Du fühlst dich anderen verpflichtet
  • Du kannst nicht „Nein“ sagen
  • Du gehst eher Kompromisse ein als mal auf deinem Willen zu bestehen

Kurzfristig hilfst du damit vielleicht jemandem. Aber mittel- bis langfristig hat niemand etwas davon. Weder du noch dein Umfeld.

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Vom Geben und Nehmen

Auch wenn die Kirche den Verfall unserer Werte und Sitten anprangert, über Gier und Egoismus klagt, ist es doch selbige die ebenso predigt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Auch wenn du nicht religös bist, ist das ein sehr empfehlenswerter Leitsatz.

Was setzt denn nun diese Nächstenliebe voraus? Dass man sich selbst liebt. Und genau das ist der Kern. Zunächst muss du dich selbst lieben, dich annehmen wie du bist, nicht nur versuchen den gesellschaftlichen Anforderungen zu genügen, sondern deinen Bedürfnissen Relevanz geben. Das ist Selbstliebe. Und das Gute daran ist, dass ich dir jetzt nicht noch auftragen muss, deine Nächsten zu lieben, also zu den Menschen in deinem Umfeld gut zu sein. Das passiert nämlich von ganz alleine.

egoismus mit sich im ReinenWer sich selbst liebt, mit sich im Reinen ist und seine Bedürfnisse kennt, ist nicht mehr erfüllt von Missgunst, Habgier oder Neid.

Wenn du selbst glücklich und zufrieden bist, gestehst du es auch anderen Menschen zu.

Zum Beispiel in einer Beziehung: Wenn man nur noch ein Bündel aus Kompromissen ist, hat keiner was von. Ebenso wenig, wenn man das eigene Glück nur vom Glück des Partners abhängig macht. Ihm also alle Wünsche erfüllt aber nie etwas für sich selbst einfordert. Gute Beziehungen leben davon, dass sie aus zwei eigenständigen Personen mit eigenem Leben bestehen. Menschen, die Geben UND Nehmen können. So kann man aneinander wachsen, hat sich dauerhaft viel zu erzählen und wenn jeder selbst glücklich ist, ist es der andere auch.

Zum Geben gehört eben auch das Nehmen.

Oder das Beispiel Karriere: Socialising, Beziehungen pflegen, Kontakte knüpfen, anderen aus purer Freude an deren Freude etwas Gutes tun. Das sind die Grundlagen beruflichen Erfolgs und einer ausgeglichenen Seele. Gerade was die Karriere betrifft sind sie oft wichtiger als Fachkompetenzen. Viele berühmte Persönlichkeiten, die an der Spitze von großen Unternehmen oder sogar Staaten stehen oder standen, sagen von sich selbst, dass es andere Menschen gibt, die fachlich weit qualifizierter sind als sie selbst. Aber sie haben es eben drauf, mit Menschen richtig umzugehen. Sie behandeln sie auf Augenhöhe, interessieren sich aufrichtig für deren Anliegen und schenken ihnen Aufmerksamkeit.

Zum Nehmen gehört eben auch das Geben.

 

Du siehst es ist wie immer der goldene Mittelweg. Es ist wichtig manchmal in die eine und manchmal in die andere Richtung auszubrechen um dauerhaft ein stabiles Gleichgewicht zu halten. Zu jedermanns Gunsten.

 

Nichts Großes, nichts Erhabenes ist jeweils ohne Egoismus geschehen und ohne die Leidenschaft, welche uns zu großen Opfern befähigt. Nur die Ausschreitungen dieser Triebe sind verwerflich.

Ernst Haeckel (1834 – 1919)

 

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Zusammengefasst kann ich dir folgende Tipps mitgeben, um aus allen möglichen Lebenslagen eine Win-Win-Situation für dich und deine Mitmenschen zu machen:

6 Tipps um ein guter Egoist (oder Mensch) zu werden:

1. Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben

2. Begegne anderen Menschen mit Interesse, Aufmerksamkeit und Anerkennung

3. Wäge ab, wann ein Kompromiss hilfreich und wann er faul ist

4. Kommuniziere offen, dass du Prioritäten hast

5. Lass deine Prioritäten aus deinen Erwartungen an dich selbst kommen, nicht aus den Erwartungen anderer an dich

6. Akzeptiere und unterstütze die Prioritäten und den guten Egoismus anderer Menschen

 

Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Blogparade von Frank Albers von einfach-effektiv.de Dort findest du weitere inspirierende Artikel rund um das Thema #WINWIN und #gebenundnehmen. Schau mal vorbei!

 

Bleib achtsam und nutze deine Chancen!
Deine Steffi

 

Wann findest du Egoismus angebracht und wann nicht? Lass es uns in den Kommentaren wissen!

 

 

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Wer steht hinter Welt der Chancen?

Steffi

Hi, ich bin Steffi, 33, Zukunftsoptimist und sehe, dass sich unsere Welt verändert.
Mit offenen Augen und offenem Geist pick ich mir das Beste für mich raus.
Damit du das auch kannst, schreib ich hier über:
Lebensqualität, Persönlichkeit, Individualisierung, neue Lebensmodelle, neue Werte, Digitalisierung, Arbeit 4.0, …
Da ich seit über acht Jahren als Coach im Bereich Persönlichkeitsentwicklung und Karriere arbeite, habe ich außerdem das ein oder andere Tool parat, um dir den Weg etwas leichter zu machen.

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5 Kommentare

  • Hi Steffi,

    ein sehr interessanter, zum Nachdenken anregender Artikel. Das Fazit der 6 Punkte erscheint mir sehr wichtig und auch relativ einfach umzusetzen.

    Ein gesunder Egoismus ist richtig und wichtig und er ist solange gesund, solange er nicht den Schaden einer anderen Person / Lebewesen / Sache billigend in Kauf nimmt.

    Wir Menschen sollten tatsächlich auch wieder mehr Mut zum Individualismus haben. Es muss nicht immer der Mainstream sein, der ans richtige Ziel führt, auch nicht in einer Gemeinschaft. Es waren die grossen Individualisten ihrer Zeit, die die Menschheit auch immer wieder einen spürbaren Schritt nach vorne gebracht haben.

    Fussige Grüsse, Jana

    • Hi Jana, freut mich, dass dich der Artikel auch zum Nachdenken bringt. Es ist wichtig für sich selbst da den besten Weg auszuloten! Und eben auch mal egoistisch sein, wenn es angebracht ist.
      Lg
      Steffi

  • Liebe Steffi,

    ein wirklich schöner und sehr ausführlicher Beitrag zu meiner Blogparade. Vielen Dank, dass Du mitgemacht hast.

    Mein Lieblingssatz: Zu viel Egoismus ist genau so schlecht wie zu viel Rücksichtnahme.

    Liebe Grüße Montabaur

    Frank Albers